Nach 1997 /1/ und 2000 /2/ liegt in diesem Jahr wieder eine aktuelle Marktübersicht der europäischen FTS-Hersteller vor. In den letzten 3 Jahren hat sich am FTS-Markt einiges getan. Da gab es auf der kommerziellen Seite Fusionen und Kooperationen, während die Technik mit interessanten Innovationen aufwarten kann, etwa der berührungslosen Energieübertragung. Obwohl die meisten FTS-Anlagen immer noch in überdachten Hallen ihren Dienst tun, rückt doch der Outdoor-Bereich mehr und mehr in den Fokus der Automatisierung /3/. So sind Einsätze im Hafenbereich durchaus keine Exoten mehr. Hochinteressant ist im Vergleich zur FTS-Marktübersicht 2000 die Neuaufstellung der Hersteller. Bei nahezu gleicher Teilnehmeranzahl sind rund ein Viertel der FTS-Hersteller „neue“ Anbieter. Und die „alten“ Anbieter warten mit veränderten Leistungsprofilen auf.
Der Einsatz und somit die Anforderungen an Fahrerlose Transportsysteme haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Noch vor zehn Jahren wurden ca. 45 % der Fahrzeuge zur einfachen Verknüpfung von Bereichen eingesetzt, also für einen reinen Transport von A nach B. Heute bedienen sie gleichermaßen lineare, verzweigte und vollvermaschte Transportstrukturen.
Bei der linearen Struktur sind die Bahnhöfe in Form von Fließlinien sequen-ziell hintereinander angeordnet. Jeder Bahnhof stellt gleichermaßen Quelle und Senke dar. Ein klassisches Einsatzgebiet von linearen Strukturen ist die Fließlinienfertigung.
Sind Gruppen von Bahnhöfen sequenziell und die Bahnhöfe innerhalb einer Gruppe parallel zueinander angeordnet, dann wird von einer verzweigten Transportstruktur gesprochen. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Funktionalität der parallel zueinander angeordneten Bahnhöfe identisch ist. Aus der Sicht der FTS-Anlage wird jeweils ein Bahnhof aus jeder Gruppe angefahren. Ein typisches Beispiel für verzweigte Transportstrukturen ist das Einsatzgebiet der Montage.
Bei der vollvermaschten Transportstruktur werden die Bahnhöfe in einer bedarfsorientierten, nicht aus dem Layout zu entnehmenden Reihenfolge ver- und entsorgt. Mit FTS-Anlagen wird diese Struktur nach dem Taxiprinzip bedient.
Weg vom Leitdraht
Die Erschließung von „neuen“ Einsatzgebieten für FTS-Anlagen spiegelt sich in den eingesetzten Techniken wider. 1992 lag der Schwerpunkt der Einsatzgebiete von FTS-Anlagen in der Bereichsverknüpfung. Über 60 % der FTS-Anlagen waren dabei vollständig leitliniengeführt. Nur etwa jedes zehnte Fahrzeug bewegte sich vollständig leitlinienfrei. Schon zehn Jahre später werden bereits über die Hälfte der FTS-Anlagen mit leitlinienfreien Navigationssystemen realisiert. Insbesondere die Entwicklung der Lasertriangulation zur Navigation von Fahrerlosen Flurförderzeugen hat diesen Trend forciert.
Eine vergleichbare Tendenz ist bei den Kommunikationssystemen zu erkennen. 1992 wurde in mehr als der Hälfte der Anlagen mit Fahrerlosen Flurförderzeugen die Kommunikation über induktive Technik und in etwa einem Drittel aller Anlagen mit Infrarottechnik realisiert. Mit Datenfunk war lediglich jede zehnte Anlage ausgestattet. Bedingt durch die heute stärker zum Einsatz kommende leitlinienfreie Navigation hat sich der Datenfunk in über 90 % der FTS-Anlagen als Kommunikationstechnik durchgesetzt. Die Datenübertragung mit infraroter oder induktiver Technik spielt nur noch eine untergeordnete Rolle.
Berührungslose
Energieübertragung im Kommen
Ein Schwerpunkt der technischen Weiterentwicklung ist die Energieversorgung der Fahrzeuge. Bis vor drei Jahren sorgten nahezu ausschließlich Batterien, die an Bord mitgeführt wurden, für die notwendige Energie. Heute stellt die berührungslose oder induktive Energieübertragung eine nicht mehr wegzudenkende Alternative zur Batterie dar. Und für den Outdoor-Einsatz wird fallweise sogar der verbrennungsmotorische Antrieb eingesetzt.
Auf Grund der neuen Möglichkeiten der induktiven Energieübertragung wurde es notwendig, die 1997 erschienene VDI-Richtlinie 2510 „Fahrerlose Transportsysteme (FTS)“ /4/ zu überarbeiten. Nach der alten Definition mussten Fahrerlose Flurförderzeuge mit „einer eigenen Energieversorgung ausgestattet“ sein. Damit wären automatische Flurförderzeuge mit elektromotorischem Antrieb, die keine Batterie benötigen und ihre Energieversorgung ausschließlich über eine induktive Energieübertragung realisieren, per Definition kein „Fahrerloses Transportsystem (FTS)“. Mit der Überarbeitung der VDI-Richtlinie gehören aber auch diese Fahrzeuge zur FTS-Familie.
Bereits 2002 wurde fast jede zehnte FTS-Anlage durch eine induktive Übertragung mit Energie versorgt. Vorreiter ist hier wieder die Automobilindustrie.
FTS im Außenbereich
Die Statistik weist für das Jahr 2002 eine nennenswerte Anzahl von Anlagen im Outdoor-Bereich aus – etwa 5 % der Anlagen und Fahrzeuge. Vorwiegende Einsatzgebiete im Outdoor-Bereich sind die Bereichsverknüpfung und das Lager. Schwerpunkte bilden zurzeit der Hafenbereich und die automatisierte Anbindung von Produktion und Lager bei getrennten Gebäuden. Der Vorteil von Fahrerlosen Flurförderzeugen auf dem Werksgelände liegt in der offenen Gestaltung des Layouts /5/. Und man kann sie dort mit Verbrennungsmotoren betreiben.
Weltweite FTS-Inbetriebnahmen europäischer
Hersteller
Diese Trends lassen sich aus der Datenbank „Weltweite FTS-Inbetriebnahmen europäischer Hersteller“ ableiten, die seit 1988 am Fachgebiet Planung und Steuerung von Lager- und Transportsystemen (PSLT) der Universität Hannover gepflegt wird. Dazu werden im jährlichen Zyklus die europäischen FTS-Hersteller nach ihren weltweiten Inbetriebnahmen von FTS-Anlagen befragt. Alle Meldungen der Hersteller werden bei der Einbringung in die Datenbank auf Plausibilität geprüft. Auf Grund der Globalisierung /6/ wurde die Datenbank im Jahr 2000 von den europäischen auf alle weltweiten FTS-Inbetriebnahmen umgestellt. Mittlerweile sind in dieser Datenbank rund 3400 FTS-Anlagen europäischer Hersteller mit über 26 000 Fahrerlosen Flurförderzeugen verzeichnet.
Die Datenbank umfasst eine Reihe von wesentlichen Fakten zu den in Betrieb genommenen FTS-Anlagen und deren Herstellern. Dazu gehören die Themenkreise Navigation, Kommunikation, Energiekonzept, Fahrzeugtechnik und wirtschaftliche Kennzahlen. Weiterhin werden Anlagendaten, wie beispielsweise die Fahrkurslänge und die Anzahl der Fahrerlosen Flurförderzeuge, erfasst.
Jeder europäische FTS-Hersteller, der sich in die Datenbank einbringt, erhält einmal im Jahr eine detaillierte Auswertung, die in dieser Form ausschließlich den teilnehmenden FTS-Herstellern zur Verfügung gestellt wird. Vielfach werden diese Ergebnisse zum internen Benchmarking genutzt. Weiterhin wird die Datenbank für herstellerneutrale Marktstudien herangezogen, um generelle Trends für den FTS-Markt abzuleiten. Damit können wertvolle Indikationen für Hersteller, Zulieferanten und dominante Anwendergruppen gegeben werden.
Aus den eingepflegten Daten lässt sich erkennen, dass Mitte der neunziger Jahre ein Tiefpunkt bezogen auf die Anzahl der in Betrieb genommene FTS-Anlagen erreicht wurde. Im Drei-Jahres-Durchschnitt ist das Niveau inzwischen wieder von rund 110 Neuanlagen auf knapp 150 Neuanlagen pro Jahr gestiegen.
Bei der Analyse des jeweiligen Top-Sellers des Jahres, also des Herstellers, der die meisten Neuanlagen in Betrieb genommen hat, zeigt sich, dass sein Marktanteil in den letzten Jahren rückläufig war. Anfang der achtziger Jahre konnte der Top-Seller einen Marktanteil von rund 30 % aufweisen. Bis zum Ende der neunziger Jahre ist dieser Marktanteil auf deutlich unter 10 % gefallen. Dagegen ist in den Jahren 2001 und 2002 wieder eine verstärkte Position des Top-Sellers zu erkennen. Er konnte 20 % der neu in Betrieb genommenen FTS-Anlagen für sich verbuchen.
Ein Grund hierfür ist, dass durch Fusionen die Marktposition einzelner Hersteller gestärkt wird. In den letzten zehn Jahren gab es insgesamt acht verschiedene Top-Seller. Die Dynamik des Herstellermarktes wird auch dadurch unterstrichen, dass von diesen acht Unternehmen in ihrer ursprünglichen Form lediglich nur noch drei Unternehmen am Markt agieren.
Im Kalenderjahr 2002 wird die Hälfte des Marktes von drei europäischen Herstellern bedient. Insgesamt neun Hersteller decken rund 90 % der Fahrerlosen Flurförderzeuge in Neuanlagen ab. Das bedeutet, dass weitere zwölf Hersteller rund 10 % des Marktes unter sich aufteilen.
Profil europäischer FTS-Hersteller
Jeder Investor bzw. Betreiber einer FTS-Anlage muss sicherstellen, dass der ausgewählte FTS-Hersteller langfristig zur Betreuung der Anlage zur Verfügung steht. Insofern ist der Auswahl des FTS-Herstellers ein hoher Stellenwert zuzuordnen.
Vor diesem Hintergrund werden 21 FTS-Hersteller mit einem Produktionsstandort in Europa vorgestellt. Alle Teilnehmer des FTS-Herstellerprofils haben ihre im Jahr 2002 in Betrieb genommenen FTS-Anlagen für die Datenbank „Weltweite FTS-Inbetriebnahmen europäischer Hersteller“ an das Fachgebiet Lager- und Transportsysteme gemeldet.
Im Vergleich zum Herstellerprofil aus dem Jahr 2000 /2/ ist die Anzahl der Teilnehmer nahezu konstant geblieben. Sechs Zugänge stehen fünf Abgängen gegenüber. Gründe hierfür sind zum einen die neue Definition des Fahrerlosen Flurförderzeuges. Dadurch gehören nun auch Anbieter mit induktiver Energieübertragung, wie AFT Automatisierungs- und Fördertechnik GmbH & Co. KG und Bleichert Förderanlagen GmbH, zum Kreis der FTS-Hersteller.
Zum anderen sind nun auch Anbieter von automatischen Fahrzeugen mit verbrennungsmotorischen Antrieben, wie FOX GmbH und Gottwald Port Technology GmbH, vertreten. Daneben beteiligen sich MAFI Transport-Systeme GmbH erstmalig und SWISSLOG Telelift GmbH wieder eigenständig.
Ein Unternehmen, das das FTS-Geschäft gänzlich aufgegeben hat, nimmt nicht mehr teil. Zwei Unternehmen des Herstellerprofils 2000 haben ihre Geschäftsaktivitäten in dem FTS-Segment mit anderen Herstellern konzentriert. Weitere zwei Unternehmen sahen sich aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage, teilzunehmen.
Im ersten Teil des FTS-Herstellerprofils sind zu jedem Unternehmen eine Reihe von Fakten in kompakter Form gelistet. Dazu gehören, wann das Unternehmen seine FTS-Aktivitäten aufgenommen hat und wie viele Anlagen und Fahrerlose Flurförderzeuge es in Betrieb genommen hat. Neben dem Stammkapital ist die Anzahl der Mitarbeiter, die im FTS-Bereich aktiv sind, eine genauso interessante Größe wie der durchschnittliche Unternehmensumsatz im FTS-Bereich in den letzten drei Jahren. Die globale Verbreitung wird durch die Listung der Länder, in denen das Unternehmen mit Niederlassungen, Händlern etc. vertreten ist, transparent.
Weiterführende Informationen bieten in der Regel die Internetseiten der Unternehmen. Abschließend sind die Ansprechpartner mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse aufgeführt, so dass ein kurzfristiger Kontakt für technische und kommerzielle Klärungen jederzeit möglich ist.
Im zweiten Teil des FTS-Herstellerprofils schließen sich vergleichende Darstellungen an. Es werden die schwerpunktmäßig belieferten Branchen, das Leistungsspektrum bezüglich FTS-Anlage und FTS-Fahrzeug, die Fahrzeugtypen und deren Lastbereich, Führungsarten, Navigations- und Kommunikationssysteme, Auffahrschutz sowie Energiekonzepte gegenübergestellt. Dies ist eine sehr pragmatische Hilfe bei der Auswahl von FTS-Herstellern. Alle Daten in den Herstellerprofilen stammen von den jeweiligen Unternehmen selbst. Einige Unternehmen haben zu bestimmten Fragestellungen, wie beispielsweise nach dem Umsatz, keine Angaben gemacht. Die Leser haben diese Nichtangabe selbst zu bewerten.
Resümee
Bedingt durch die immer kürzeren Projektlaufzeiten bei den Anwendern und die damit einhergehenden kürzeren Planungsphasen müssen sich die Investoren und Betreiber in kürzester Zeit einen detaillierten Überblick über den Herstellermarkt verschaffen. Für eine ausführliche Marktanalyse stehen aber in der Regel weder die Zeit noch die entsprechenden Personalressourcen zur Verfügung.
Zusätzlich erschwert die anhaltende Globalisierung eine Marktanalyse. Auch für das FTS-Geschäft gibt es in Europa de facto keine Grenzen mehr. Obwohl sich der Markt der Anbieter konzentriert, ist mit über 20 europäischen FTS-Herstellern noch immer eine große Vielfalt am Markt vorhanden. Und nahezu jeder Hersteller bietet ein differenziertes Angebot in Bezug auf Einsatzgebiet, Branche und Technik.
Diese Europa-Marktübersicht 2003 spiegelt den aktuellen Stand der Entwicklungen auf dem europäischen FTS-Markt wider und ist damit eine Marktübersicht mit wesentlichen Indikatoren für die Auswahl von FTS-Herstellern.