Kennzahlen wie Flächenproduktivität oder Gesamtanlageneffizienz werden in der Produktion immer
wichtiger. Erst dadurch ist es möglich, die Wirtschaftlichkeit einer Produktion auch wirklich quantifizier- und messbar zu machen. Und viel wichtiger: Verbesserungspotenziale können erkannt und umgesetzt werden. Großserienproduzenten wie die Heinrich Kipp Werk KG, Hersteller von Normelementen, Bedienteilen und Komponenten für die Spanntechnik setzen solche Kennzahlen bereits seit längerem ein, um die Transparenz in den Produktionsprozessen zu erhöhen. Mit einer KSS-Anlage aus dem Hause GF Industrietechnik hilft, diese Zahlen noch zu verbessern.
In der zerspanenden Fertigung im Stammwerk Sulz am Neckar werden an zwei Mehrspindel-Drehautomaten der Firma Gildemeister eine Vielzahl an Drehteilen mit einem Durchmesser von 6 mm bis 35 mm sowohl für die eigene Produktpalette der Kipp Werke als auch für kundenspezifische Teile hergestellt. Zerspant werden unterschiedlichste Werkstoffe: vom klassischen Automatenstahl über Spezialstähle und unlegierte Stähle bis hin zu Nirosta-Stahl. Als Kühlmittel kommt Öl der Firma Scharr zum Einsatz.
Entscheidung fiel zugunsten einer dezentralen Anlage
Die peripheren Anlagen für die GMC 35 und die GMC 25 kommen von der Firma Iemca und GS Industrietechnik. Während man sich bei Kipp für ein Stangenlademagazin vom italienischen Marktführer entschied, setzte man bei der Kühlschmiermittelanlage auf die innovativen Konzepte der Experten aus Südbaden.
Mit dem Fokus auf die technische Verfügbarkeit der Gesamtanlage fährt Kipp die konsequente Strategie der dezentralen Kühlschmierstoffaufbereitung. Zentrale Anlagen bergen immer das Risiko, dass bei einer Störung größere Bereiche der Produktion lahm gelegt werden. Zudem ist mit einem zentral installierten System ein Mischbetrieb von Emulsion und Öl nicht ohne weiteres möglich und zusätzlicher Platz wird ebenfalls benötigt. Auch die Zugabe von bestimmten Additiven, die bestimmte Operationen wie beispielsweise Tieflochbohren erst ermöglichen, kann bei dezentralen Anlagen sehr viel leichter gesteuert werden.
„Gerade der geringe Platzbedarf der KSS-Anlage war mit kaufentscheidend“, meint Willy Harpain heute. Und Gerhard Speck, technischer Leiter der GS Industrietechnik, ergänzt: „Alle unsere Systeme sind so konzipiert, dass sie komplett unter das Stangenlademagazin passen und seitlich nicht über die Breite des Mehrspindlers hinausragen. Somit verliert der Kunde keine zusätzlichen, wertvollen Quadratmeter. Zudem erhöht sich der Bedienkomfort aufgrund der kürzeren Wege um den Mehrspindler erheblich.“
Trotz der kompakten Bauform beinhaltet die KSS-Anlage alle wichtigen Komponenten wie einen Späneförderer mit Doppelboden zum sicheren Abtransport der Späne aus dem Arbeitsraum, einen Schlammkratzer über die gesamte Breite des Schmutzöltanks sowie die bewährten Doppelfilter mit 50 µm-Stahlvlies und automatischer Rückspülfunktion. „Wir bieten außerdem eine Reihe von zusätzlichen Optionen an, die vor allem für Kunden mit speziellen Anforderung in der Bearbeitung sehr interessant sind. Bei der Firma Kipp stießen wir mit diesen Möglichkeiten auf reges Interesse“, so Gerhard Speck.
Beispielsweise wurde eine Druckerhöhungspumpe für die Standard-Werkzeugleitungen integriert, die den Druck auf bis zu 10 bar erhöht, sowie eine Hochdruckpumpe für spezielle innengekühlten Werkzeuge. Tieflochbohren mit einem Verhältnis von 20 x D ist dadurch möglich. Zusätzlich sorgt ein kombiniertes Kühl-/Heizaggregat für gleichbleibende Temperaturbedingungen in der Maschine. Die integrierte Zeitschaltsteuerung ermöglicht zudem eine stabilere Produktion bei Schichtbeginn. Im Winter werden hierzu Umwälzpumpe und Heizung ein bis zwei Stunden vor Schichtbeginn automatisch eingeschalten, um eine möglichst homogene Termperaturverteilung in der Maschine zu erhalten. Dadurch können bereits zu Schichtbeginn „Gut“-Teile produziert und unnötige Wartezeiten vermieden werden.
Jede Anlage ist ein Unikat
Anhand dieser beiden Beispiele zeigt sich schon die Strategie des Unternehmens. Gerhard Speck erklärt hierzu: „Unsere Stärke ist die Anpassbarkeit unserer Produkte an die Anforderungen der Kunden. Aus einem umfangreichen Angebot an standardisierten Komponenten erstellen wir die Anlage, die der Kunde für seinen Prozess benötigt. Dadurch wird jede Anlage zum Unikat! Standardlösungen bringen meist ein Flickwerk an weiteren Anbauten mit sich, um die gestellten Anforderungen zu befriedigen. Das ist unserer Meinung nach nicht mehr zeitgemäß.“
Mit den installierten Systemen an den Gildemeister Mehrspindlern GMC 25 und GMC 35 konnten die von der Geschäftsleitung der Kipp Werk KG geforderten Werte für Flächenproduktivität und Verfügbarkeit erfüllt werden. „Die Filterstandzeiten betragen 10 bis12 Wochen je nach zerspantem Material und sind in weniger als 10 Minuten gewechselt. Damit ist eine Anlagenverfügbarkeit von > 99 Prozent erreicht. Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit der Kühlschmiermittelanlage der GS Industrietechnik,“, so Willy Harpain, „von der kompetenten Beratung im Vorfeld der Installation über die zügige Installation bis hin zur reaktionsschnellen Betreuung im Servicefall.“W