Das Unternehmen Maier Maschinen, Nachfolger der Maier Werkzeugmaschinen setzt neben dem Serviceangebot für installierte ML ProLine-
Maschinen seit kurzem auch die Produktion von ProLine-Drehmaschinen fort. Mit im Boot ist Partner Fanuc CNC Deutschland, der das komplette Maier-Maschinenprogramm mit Fanuc Antriebs- und CNC-Steuerungstechnik ausstattet.
Michael Maier, Inhaber und Geschäftsführer des Ende Oktober gegründeten Unternehmens Maier Maschinen erklärt: „Das Servicegeschäft garantiert unserem kleinen Unternehmen mit 25 Mitarbeitern eine sichere Basis.“ Doch darauf will er sich nicht beschränken. Schon in nächster Zukunft soll sich der Erfolg mit eigenen Maier ProLine-Maschinen fortsetzen. Denn Ende Januar wurde die Produktion von monatlich zwei bis drei Langdrehern aufgenommen. Maier argumentiert: „In unseren ProLine-Maschinen steckt ein großes Potential, das hat der Zuspruch über viele Jahre bewiesen. Da werden wir anknüpfen. Anfragen sind schon wieder vorhanden.“
Bedarf an Präzision
Im Fokus ist vor allem die Medizintechnik, deren Bedarf an Präzisionsmaschinen ungebrochen ist. Während die Rezession viele andere Branchen getroffen hat, konnte sie weiterhin Zuwächse verzeichnen. Michael Maier hat das Geschehen genau beobachtet. Er sagt: „Durch den wachsenden Bedarf an Implantaten, Prothesen etc. müssen die produzierenden Unternehmen ihre Kapazität ausbauen beziehungsweise effizienter fertigen. Unsere hochpräzisen Maschinen passen hierfür genau, denn mit ihnen lassen sich viele Implantate und Instrumente in einer Aufspannung komplett bearbeiten. Diesen Trumpf werden wir verstärkt ausspielen.“
Michael Maier wird das komplette Angebot an ML ProLine-Langdrehautomaten fortsetzen, das aus den modular aufgebauten Serien A bis F besteht. Für die Medizintechnik ist vor allem die Highend-Serie F interessant. Sie ist speziell auf die Anforderungen von Marknägeln, anderen Implantaten und Instrumenten zugeschnitten, die neben der Drehbearbeitung auch Fräsarbeiten und Tieflochbohrungen erfordern. Mit einem Spindelstockhub von 220 bis 500 mm lassen sich die meisten Bearbeitungen ohne Nachfassen erledigen.
Durch das Bett aus Polymerbeton und den durchdachten Aufbau sind die ProLine Serie F-Maschinen schwingungsarm und steif. Die Version F2 ist mit je einem Revolver auf der Vorder- und Rückseite sowie einem Linearsystem ausgestattet und so für die Komplettbearbeitung komplexer Teile gerüstet. Kennzeichnend für die ProLine Serie F ist das echte Vier-Teilesystem. Es stellt vier unabhängige Schlitten bereit, wodurch vier Werkzeuge gleichzeitig im Eingriff sein können. Michael Maier betont die Wirtschaftlichkeit dieser Lösung: „Die Serie F bietet für alle Werkstücke einen Vorteil, an denen mindestens vier verschiedene Werkzeuge zum Einsatz kommen. Wenn ich zum Beispiel Werkzeuge zur Außenbearbeitung, für einen Einstich und eine Bohrung sowie eine rückseitige Senkung brauche, bringt mir diese Maschine einen klaren Vorsprung bei der Stückzeit.“
Um Knochennägel komplett zu bearbeiten, müssen außer der Drehbearbeitung noch Tiefloch- und Querbohrungen eingebracht und verschiedenste Fräsbearbeitungen durchgeführt werden. Um diese Komplettbearbeitung noch effizienter zu gestalten, hat Maier eine Version F4 entwickelt, bei der die bisherige Lineareinheit durch einen weiteren, dritten Revolver ersetzt wurde. Mit acht zusätzlichen angetriebenen Werkzeugen sowie Y- und B-Achse im Revolver kann man beispielsweise so genannte Grooves (gedrallte Rillen im Knochennagel) und speziell geformte Verstärkungshöcker noch effizienter fräsen. Diese Höcker, meist zwei an einem Nagel, sind freigeformt mit unterschiedlichen Konturen. Um diese mit zwei Fräsern gleichzeitig zu bearbeiten, ist nicht nur ausgefeilte Maschinentechnik sondern auch eine besonders leistungsstarke Steuerung erforderlich.
Steuerungsleistung vom Feinsten
Während Maier als Standard bei allen Maschinen der Serien A bis E die Fanuc CNC-Steuerung der Serie 31i einsetzt, ist der Werkzeugmaschinenhersteller bei der F4 auf die Serie 30i umgestiegen. „Wir haben hier insgesamt 16 Servoachsen zu steuern, und davon werden immer fünf bis sechs Achsen zueinander interpoliert. Außerdem sind sieben Spindeln im Einsatz“, erklärt Michael Maier. „Im Prinzip machen wir in einer Maschine mit zwei Systemen jeweils Fünfachsenbearbeitung. Dafür brauchen wir eine Hochleistungssteuerung wie die Fanuc 30i, die auch für zuverlässigen Datenaustausch zwischen den Systemen sorgen kann. Um das Vier-Teilesystem zu kontrollieren, nutzen wir vier Kanäle, was für die 30i mit verfügbaren 10 Kanälen kein Problem ist.“ Zum Programmieren des Systems nutzt Maier die Fanuc-Funktion Path Table Operation (PTO). Sie ermöglicht die Synchronisation aller Achsen im Interpolationstakt von Millisekunden, wodurch sich besonders feinfühlige Bewegungen exakt programmieren lassen. Der Firmenchef weist darauf hin, dass man beim Programmieren zwischen PTO und konventionellem CNC-Interpolator wechseln kann, was in vielen Fällen Zeit spart. Zusätzlich prädestinieren leistungsstarke Fanuc-Motoren und hochauflösende Geber die ProLine F-Serie für die Präzisionsbearbeitung in der Medizintechnik, wo vorwiegend schwer zu bearbeitende Materialien verwendet werden. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Oberflächengüte der zerspanten Bauteile. Auch diesbezüglich lobt Michael Maier die von Fanuc zur Verfügung gestellten Funktionen, seien es die Möglichkeiten der Nanointerpolation oder Smooth-TCP für die Fünf-Achs-Bearbeitung.
Flexible Bearbeitungsmöglichkeiten
Die ML ProLine Serie F ist keineswegs auf die Produktion von Knochennägeln festgelegt. Ihr konzeptioneller Aufbau und die flexiblen Komponenten ermöglichen Prozesse wie Gewindewirbeln, Verzahnungsfräsen und Gewindefräsen, ohne dass spezielle winkeleinstellbare Werkzeuge verwendet werden müssen. Diese Vorgänge lassen sich über die vollprogrammierbare Revolverachse realisieren, indem man den Bearbeitungswinkel schräg stellt. Das erspart dem Bediener das langwierige manuelle Einstellen der Werkzeuge und beschleunigt das Rüsten der Maschine. Und die bis zu 40 beliebig bestückbaren Revolver-Werkzeugplätze helfen mit, Rüstzeiten zu verkürzen.
Flexibilität verleiht außerdem das optionale, selbstentwickelte MLK-System, das aus Langdrehern Kurzdreher macht. Es ermöglicht, dass sich innerhalb einer knappen halben Stunde die Führungsbüchse entfernen lässt und Einlegeteile kurz gespannt werden. Das gibt höchste Stabilität und spart Materialabfall ein, was bei teuren Werkstoffen ein Argument sein kann. Dieses MLK-System steht nicht nur für die F-Serie zur Verfügung. Auch die Standardmaschine ML32 Hybrid ist damit ausgestattet.
Eigenentwicklung
Auf eine weitere Eigenentwicklung ist Michael Maier besonders stolz. In Partnerschaft mit einem Schweizer Werkzeuganbieter entstand ein mechanisch angetriebenes Werkzeug, das im Revolver eine Geschwindigkeit von bis zu 32 000 Umdrehungen pro Minute erreicht. Damit können kleine Teile in höchster Güte gefräst werden.W